Von Freundschaft, Winter und Zukunft

Manchmal passiert so viel in so kurzer Zeit, dass man sich am Ende gar nicht vorstellen kann, dass das tatsächlich alles in einen Monat passte. So geht es mir mit dem letzten, meinem fünften Monat hier in Schweden. Die letzte Zeit vor Weihnachten verging wie im Flug und nach den ersten überreichten Geschenken hier in Schweden saß ich auch schon im Flugzeug Richtung Deutschland. An dieses nach Hause kommen und nach kurzer Zeit wieder weg müssen, könnte ich mich wohl auf Dauer nie gewöhnen, denn auch dieses Mal hatte ich, besonders weil der letzte Monat nicht gerade der leichteste für mich war, etwas Angst, dass ich am Ende meiner Zeit in der Heimat nicht wieder zurück nach Stockholm wollen könnte. Dem war zum Glück nicht so. Ich hatte wirklich schöne Weihnachten mit meiner Familie und auch sonst konnte ich die meisten Menschen treffen, die ich gerne sehen wollte und die mir sehr gefehlt haben und ich konnte die kurze Zeit sehr genießen. Trotzdem war ich nur ein bisschen traurig und freute mich gleichzeitig wieder auf Schweden, als es dann schließlich zurück ging. Vermutlich auch, weil Silvester und ein Urlaub direkt vor der Tür standen. In Stockholm angekommen, ging es dann auch direkt gemeinsam mit meinen Aupair-Freundinnen, gutem Essen und dem ein oder anderen Getränk ins Neue Jahr- und um 00:00 Uhr konnten wir dann sogar ein bisschen Feuerwerk von der komplett zugefrorenen Ostsee aus beobachten. Am Neujahrstag war dann nichts mit ausschlafen, denn die Rucksäcke mussten gepackt werden und wir mussten einen Zug bekommen, der uns weitere 600 Kilometer höher in den Norden, nach Umeå bringen sollte. Dort angekommen hatte ich dann wirklich eine wunderschöne Zeit- sicher eine der besten hier bisher. Umeå ist eine sehr schöne Stadt und der ganze Schnee, das Eis und die Wälder haben nochmal für ein ganz neues Schweden-Feeling gesorgt. Es gab in den 3,5 Tagen, die wir dort waren einige Highlights: Eisbaden, Waldspaziergänge im Schnee und vor allem Hundeschlittenfahren. Bevor es dann mit dem Nachtzug zurückging, gab es sogar noch eine kleine, permanente Erinnerung. Was diese Zeit aber neben den Highlights noch viel wertvoller gemacht hat: Sie hat die Freundschaft zwischen mir und den Aupair-Mädels auf ein neues Level gehoben. Die Zeit, die wir hier teilen ist eh schon sehr intensiv, weil wir in so kurzer Zeit so viel Neues gemeinsam entdecken, aber jetzt haben wir 3,5 Tage auf engstem Raum aus dem Rucksack zusammen gelebt und trotzdem gingen sie mir nie wirklich auf die Nerven. Mädels, ihr kennt mich jetzt viel zu lange ungeduscht, mit fettigen Haaren und ohne ausreichend Schlaf und ich habe trotzdem das Gefühl, dass das unserer Freundschaft überhaupt nicht geschadet hat, eher im Gegenteil. Danke, für diesen unglaublichen Start in 2022 und für all die Erinnerungen, die wir zusammen sammeln! Bevor es dann wieder richtig zurück in unseren Aupair-Alltag ging, waren wir am Wochenende noch alle zusammen Skifahren. Mein erstes Mal auf Skiern und ich muss sagen, nach dem ersten Frust (Ja, sie kennen mich jetzt auch frustriert, weil etwas nicht sofort so geklappt hat, wie ich es mir gewünscht hätte), hat es richtig Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich es ausprobiert habe. Eines kann man nach meinem fünften Monat auf jeden Fall schon sagen: Ich habe den schwedischen Winter jetzt schon sehr gut ausgenutzt. Mit Beginn dieser Woche ging es dann aber wirklich endgültig zurück in den Alltag und mit dem Alltag kam dann auch recht schnell die Realität zurück, dass diese Zeit hier begrenzt ist. Ziemlich schnell nachdem auch meine Gastfamilie aus ihrem Urlaub zurückkam, hatte ich ein Gespräch mit meiner Gastmutter, in dem es um meinen endgültigen Rückreisetermin ging. Eigentlich stand für mich immer fest, dass ich bis Ende Juni hier bleibe und vor Weihnachten kam mir das noch unendlich weit weg vor. Durch einige Gegebenheiten sieht es jetzt aber doch eher danach aus, dass ich schon einen Monat früher zurück nach Deutschland gehen werde und jetzt im Neuen Jahr kommt mir das irgendwie überhaupt gar nicht mehr weit weg vor (wenn es tatsächlich so laufen sollte, bin ich schon über die Halbzeit hinaus). Und ich tue mich gerade etwas schwer damit, mich endgültig festzulegen, weil ich mich frage, wie ich jetzt entscheiden soll, ob ich denn Ende Mai schon bereit bin, dass das ganze Schweden-Abenteuer zu Ende geht. Einerseits freue ich mich jetzt schon wieder unglaublich doll auf Zuhause und auf die ganzen Menschen dort und ich bin auch bereit für alles, was dort auf mich zukommt. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, schon in 4,5 Monaten das Leben, das ich mir hier aufgebaut habe, endgültig hinter mir zu lassen und wenn ich an die ganzen Abschiede denke, die mir dann bevorstehen, werde ich wohl weder in 4,5 Monaten noch irgendwann sonst dafür bereit sein. Diese Überlegungen haben mir aber auf jeden Fall nochmal vor Augen geführt, wie begrenzt die Zeit hier ist und deshalb habe ich mir für das Neue Jahr vorgenommen, noch mehr im Augenblick zu leben und alles noch mehr zu genießen, als ich es eh schon versuche. Natürlich nicht nur hier, sondern immer.































































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