Von Glück, Aupair-Alltag und positiver Überforderung

Vor einem Monat bin ich in Hamburg ins Flugzeug gestiegen und in mein Aupair-Abenteuer gestartet. Ja, ein Monat Schweden ist jetzt tatsächlich schon um. Und so langsam bin ich richtig angekommen in meinem Aupair-Alltag. Was das bedeutet? In erster Linie, dass ich gemerkt habe, was es bedeutet mit 3 Kindern unter einem Dach zu leben. In der Regel habe ich am Wochenende frei. Trotzdem passiert es, dass ich am Sonntagmorgen um 06:30 Uhr aufwache, weil mein kleinstes Gastmädchen oben einen Wutanfall hat und sehr laut heult und schreit. Das ist der Preis den man zahlt, wenn man in einem wunderschönen Haus inmitten einer wundervollen Familie lebt und ich kann sagen, bisher zahle ich ihn sehr gerne. Natürlich habe ich auch gemerkt, was es bedeutet, mit 3 Kindern zu "arbeiten". Klar, durch Babysitten und Praktika in der Grundschule wusste ich ein wenig, was mich erwartet, aber es ist etwas ganz anderes wenn man die Kinder jeden Tag und immer um sich herum hat. Da gibt es schlechte Tage, an denen die Mädels viel streiten, weinen und schreien ohne Grund und einfach nicht zum Aufräumen zu bewegen sind. Tage, an denen man nur diskutiert. Darüber, dass man im September in Schweden nicht ohne Jacke rausgehen kann, dass man nach der Toilette die Hände waschen muss und darüber, dass man Nudeln mit Besteck und nicht mit den Fingern isst. Das sind Tage, an denen sehnt man sich das Wochenende herbei, an denen liegt man abends im Bett und fragt sich, wieso man sich das antut und ob man gewisse Situationen nicht besser hätte lösen können. Aber dann gibt es auch die Tage, an denen sprudelt man über vor Liebe zu diesen kleinen Menschen, die einem vor einem Monat noch völlig fremd waren. An denen teilt man tolle gemeinsame Erlebnisse, lernt gemeinsam neue Dinge, verbringt schöne gemeinsame Stunden, bekommt Bilder geschenkt und einem wird gesagt "Ich hab dich lieb". An diesen Tagen macht die "Arbeit" richtig Spaß und fühlt sich gar nicht so richtig nach Arbeit an und sie helfen einem Kraft zu schöpfen, für die eher anstrengenden Tage. An den schlechten Tagen dagegen helfen starke Nerven und vor allem helfen Freundinnen, die sich in der gleichen Situation befinden und die auch Tage haben, an denen sie an ihren Gastkindern verzweifeln. Und da komme ich auch schon zum Thema Glück. Den ich habe das große Glück, dass ich schon tolle Freundinnen gefunden habe, die sogar ganz in meiner Nähe wohnen und mit denen ich die guten und die schlechten Momente teilen und bei denen ich mich auch einfach mal aufregen kann. Natürlich sind Freundinnen nicht nur dafür gut, sondern sie helfen, die freien Vormittage, Abende und Wochenenden zu gestalten, die auch zum Aupair-Alltag dazugehören. Neben den ganz großen Abenteuern, die man in so einem Auslandsjahr erlebt, geht man mit diesen Freundinnen auch einfach mal ins Kino, trifft sich zum gemeinsamen Essen oder erkundet die Umgebung und die Stadt. Der zweite Punkt, bei dem ich wirklich Glück habe, ist meine Gastfamilie. Das merke ich einerseits daran, dass man hier eben mit vielen anderen Aupairs in Kontakt steht, die nicht so viel Glück haben und an deren Erzählungen man merkt, dass vieles nicht selbstverständlich ist. Andererseits habe ich mich nie fremdgefühlt und hatte nie Angst, Dinge anzusprechen und mich hier im Haus frei zu bewegen. Als ich dann schon in meiner dritten Woche hier richtig krank wurde, habe ich nochmal mehr gemerkt, was für ein Glück ich habe. Denn ich hatte natürlich ein super schlechtes Gewissen, dass ich nicht in der Lage war, normal zu arbeiten, aber meine Gastfamilie war kein bisschen sauer und hat sich richtig liebevoll um mich gekümmert. Auch nicht selbstverständlich, denn auch, wenn man irgendwie Teil der Familie ist, steht man trotzdem noch in einem Arbeitsverhältnis zueinander. In meinem ersten Monat ist also schon viel passiert. Ich bin in meine Gastfamilie und meinen neuen Alltag hineingewachsen, habe meine drei Mädels besser kennengelernt, viel Zeit mit ihnen verbracht und gelernt, bestimmte Situationen besser zu bewältigen. Ich habe viele Aupairs und andere Menschen getroffen und kennengelernt und einige davon sind schon jetzt zu Freundinnen geworden, die meine Zeit hier unglaublich bereichern. Und dann lerne ich seit einer Woche auch noch eine neue Sprache. Diese vielen neuen Eindrücke, Menschen und Erfahrungen können manchmal ganz schön viel werden. Da liege ich manchmal abends im Bett und bin mir selbst nicht sicher, ob ich das überhaupt alles richtig greifen und verarbeiten kann. Aber das ist eine Überforderung, die sich definitiv gut anfühlt. Denn neue Menschen, neue Sichtweisen und Perspektiven und neue, teilweise herausfordernde Situationen können eigentlich nur dazu führen, dass man selbst wächst an diesem Abenteuer und dass die gesammelten Erfahrungen einen bereichern. Außerdem führen diese vielen neuen Eindrücke dazu, dass ich für Dinge wie Heimweh, oder schlechte Gedanken in meinem ersten Monat hier überhaupt keine Zeit und keinen Platz hatte. Natürlich vermisse ich einige Menschen Zuhause in Deutschland sehr, aber momentan überwiegt die Freude und das Glück über alles, was ich hier erleben darf und noch erleben werde ganz eindeutig. Neben all diesem alltäglichen Wahnsinn habe ich in meinem ersten Monat definitiv auch schon meine ersten kleineren und größeren Highlights erlebt. Zu den kleineren zählt ein Lagerfeuer am See mit meinen Aupair-Freundinnen, Stockbrot und stundenlanges Quatschen inklusive. Bei den größeren sind direkt zwei zu nennen: 1. Ein Ausflug nach Vaxholm und in den Stockholmer Schärengarten mit meiner Gastfamilie. Schon als Kind, als ich mit meinen Großeltern im Urlaub in Schweden war, habe ich mich in den Schärengarten vor Göteborg verliebt und als ich jetzt in dem Stockholmer Schärengarten war, wurde mir nochmal bewusst, dass die Schären definitiv einer meiner liebsten Plätze sind, an denen ich bisher war. Und 2. eine Kajaktour mit meinen Freundinnen mitten durch Stockholm. Tatsächlich kann man hier einfach ziemlich zentral in der Stadt in ein Kajak steigen und auf der Ostsee durch Stockholm paddeln. Das hat nicht nur super viel Spaß gemacht, sondern man konnte die wunderschöne Stadt auch nochmal aus einer ganz neuen Perspektive betrachten. Dazu kam, dass wir für diese Tour auch noch den sonnigsten und wärmsten Tag der letzten Wochen erwischt haben.

Denn langsam merkt man, dass die dunkle Jahreszeit kommt und es wird hier zunehmend grau. Alle sprechen immer davon, wie lang und dunkel so ein schwedischer Winter ist und ich kann mir das immer noch schwer vorstellen. Ich bin gespannt, wie das wird, bin aber sicher, dass auch die dunkle Jahreszeit hier ihren ganz eigenen Zauber hat und trotzdem auch in der nächsten Zeit noch viele Highlights und tolle Momente folgen werden



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